|
Buttje, Buttje in der See... oder
Die klaren Ziele der Ilsebill
Gerda Laufenberg
Der Fischer und seine Frau lebten - man mag es gar nicht aussprechen
- in einem alten Pisspott. Auch wenn wir das natürlich
nicht wörtlich nehmen müssen, so kann man doch verstehen,
dass Ilsebill diese enge, stickige Behausung gern gegen eine
hübschere Wohnung eingetauscht hätte. Das Dumme war
nur, dass ihr Mann sich dort wohl fühlte. Dabei hatte er
Beziehungen: Er kannte einen Butt! Das war ein ganz großer
Fisch mit magischen Kräften, der ihm vor Jahren ins Netz
gegangen war. Statt ihn zu verspeisen, hatte der Fischer ihm
das Leben und die Freiheit geschenkt, und seitdem stand der
dankbare Butt in seiner Schuld. Er hätte dem Fischer ein
schönes Haus ruck, zuck an den Strand gestellt, aber der
Mann wusste mit seinen Kontakten nichts anzufangen. Im Märchen
heißt es, er sei auf Druck seiner Frau schließlich
doch zum Butt gegangen und habe ihn gebeten, ein Haus zu beschaffen.
Wir glauben das aber nicht. Dieser Trottel hatte sein Lebtag
keine klare Zielvorstellung. Da ergriff Ilsebill die Initiative
und ging eines Tages selbst zum Strand hinunter. Sie warf dem
Butt reichlich Strandflöhe zu und kam mit ihm ins Gespräch.
Der merkte, dass die Frau ordentlich was auf dem Kasten hatte,
und als dann der Wohnungswunsch zur Sprache kam - wumms, da
stand schon ihr neues kleines Haus!
Im Märchen heißt es nun, das Ilsebill nie zufrieden
gewesen sei und ihren Mann mit immer größeren Forderungen
immer wieder zum Butt geschickt habe.
In der Klüngelversion liest sich das so: Ilsebill hatte
von Anfang an ein klares Ziel. Sie wollte nicht nur Fische fangen,
sondern sie auch gleich verarbeiten. Mit Unterstützung
des Butts beschaffte sie sich zunächst eine Fischflotte
und baute eine Fischfabrik. Der Butt beschaffte Genehmigungen
und Kredite, Ilsebill ihrerseits setzte sich für ein generelles
Fangverbot für Butte ein. Niemals ist in ihren Fabriken
auch nur ein einziger Butt verarbeitet worden.
Hier könnte das (Klüngel-)Märchen enden. Aber
der Fischer, der Ilsebills Erfolge missgünstig verfolgte,
stellte es später anders dar: Ilsebill habe Königin
werden und am Ende gar den lieben Gott ersetzen wollen. Und
deshalb habe sie, weil so viel weiblicher Ehrgeiz strafbar ist,
wieder in den alten Pisspott zurückkehren müssen (1).
(1) Ilsebill ist nie wieder dorthin zurückgekehrt, sondern
starb im Alter von 84 Jahren in einer Villa an der Hamburger
Alster. Sie hinterließ ein Fischerei-Imperium im Wert
von 20 Millionen Euro und einen alten Pisspott zur Erinnerung. |
|